Über Entscheidungen – und wie man sie (nicht) fällt

IMG_2222Du willst dich beruflich verändern und stehst vor einer wichtigen Entscheidung, die dein Leben verändern wird? Du weißt nicht genau, was du machen sollst und grübelst vorwärts und rückwärts, was denn nun das Richtige ist?

Wie unterschiedlich die Herangehensweisen bei solchen Entscheidungen sind wurde mir deutlich, nachdem ich neulich mit einer Freundin sprach, die Deutschland verlassen will, um nach Teneriffa zu gehen. Mir wurde bewusst, wie unabdingbar die Fähigkeit klare Entscheidungen zu treffen ist, wenn man in einem Prozess grundlegender Lebensveränderungen steckt. – Naja, ist ja eigentlich klar, sollte man meinen! – Aber irgendwie wurde mir das sehr deutlich, nachdem ich mit ihr gesprochen hatte, denn ich merkte, dass sie damit wirklich Schwierigkeiten hatte. Ich dachte, ihre Entscheidung sei bereits klar, denn sie hatte sich einen Termin für Anfang Februar gesetzt. Aber alles, was sie mir erzählte, waren Pläne für ihr nächstes Jahr in Deutschland. – Irgendwas passte da nicht zusammen. Irgendetwas, das mir selbst fremd vorkam. Und auf einmal sagte sie: „Ich tue mich wirklich schwer dabei, Entscheidungen zu treffen, Kiwi. Das war schon immer ein Problem für mich.” – Und da fing ich an, über die Unterschiede zwischen ihr und mir nachzudenken….

Warum ist es für den einen leichter eine Entscheidung zu fällen, während jemand anders sich damit so schwer tut?

Ich muss zugeben, dass ich persönlich dabei ziemlich rational vorgehe. D.h. meistens denke ich gründlich über etwas nach, bevor ich eine Entscheidung fälle. Besonders, wenn es etwas mit weitreichenden Konsequenzen ist. Da bin ich sehr rational und pragmatisch – ob mir das gefällt oder nicht.

Aber, abhängig von der Tragweite meiner Entscheidung, werde ich immer warten, bis mir mein Bauchgefühl wirklich signalisiert, was richtig ist. – Wenn ich ein schickes Paar Schuhe sehe, kann das ziemlich schnell gehen. Und ich denke: „Das ist genau das, was ich will!“ Ich entscheide mich sehr schnell und die Konsequenzen sind nicht so weitreichend. – Ok, zugegeben, ich entscheide mich leider oft für die teuren! 😉

Wenn ich zurückdenke an die Entscheidung nach Ibiza zu gehen, dann hat das sicherlich länger gedauert. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um Alles zu überdenken: Die Möglichkeit, mich eine Weile aus meiner Praxis zurückzuziehen, mir darüber klar zu werden, ob ich verkaufen will und, ob ich meinen Lebensmittelpunkt wirklich ins Ausland verlegen möchte.

Und erst, als ich mir ziemlich sicher war wie der nächste Schritt aussehen sollte, habe ich angefangen, mit Freunden und Familie darüber zu sprechen. Die Chance, dass sie mich noch von meiner Entscheidung hätten abbringen können war da schon relativ gering.

Also, wie treffe ich denn nun meine Entscheidungen?

Ich denke nach, ich wäge Pros und Contras so lange ab, bis ich zu einer klaren Wahl komme. So lange, bis ich wirklich sicher bin, was ich will. Ob das eine Weile dauert oder, dass ich manchmal nicht dazu in der Lage bin, eine Entscheidung zu fällen, war für mich bisher nie ein großes Problem. Ich denke eher, dass das ein normaler Prozess ist, der eben manchmal die ein oder andere Herausforderung mit sich bringt. – Bedeutet das, dass ich meine Entscheidungen nie bereue?? – Das wäre ja wunderbar!! Aber klar tue ich das! Und dann? Dann heißt es, ein bisschen milde mit mir selbst zu sein und zu akzeptieren, dass ich die Entscheidung eben zu einem bestimmten Moment meines Lebens aus bestimmten Gründen getroffen habe. Und möglicherweise ist jetzt der Zeitpunkt gekommen neue Entscheidungen zu treffen. So ist das Leben! Manchmal erscheint dir das, was du heute für das Richtige hältst, morgen eben nicht mehr als passend. Verrückt, aber wahr! 🙂

Und was ist nun der Unterschied zwischen meiner Freundin und mir? Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten. Und wie triffst DU wichtige Entscheidungen?

Was könnte es uns allen einfacher machen?

1. Hör auf dein ‚Bauchgefühl’!

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies wichtig, wenn nicht sogar das Wichtigste ist, wenn du Entscheidungen treffen willst. Meistens weißt du doch, was richtig ist! – Vielleicht musst du dich mal mit einer guten Freundin oder einem Freund unterhalten, um dich noch etwas sicherer zu fühlen. Aber ich glaube, ein sicheres Bauchgefühl zu haben ist notwendig dafür, klare Entscheidungen zu treffen. Wenn du das nicht hast, wirst du ein leichtes Opfer für alle Zweifler, Skeptiker und Nörgler sein. Du willst dich beruflich neu orientieren? Du musst eine klare und deutliche Entscheidung getroffen haben, wenn du diesen Schritt gehen willst!

2. Frage dich, wie endgültig die Entscheidung ist!

Ein anderer Gesichtspunkt, den du bedenken solltest ist, ob die Entscheidung endgültig sein wird oder nicht. – Wenn ich mich zum Beispiel dazu entschlossen habe nach Ibiza zu gehen, ist das keine endgültige Entscheidung. Die einzige Entscheidung, die ich getroffen habe ist, diesen Versuch zu wagen. Aber ich kann jederzeit wieder gehen, die Entscheidung rückgängig machen und wieder nach Deutschland zurückkehren.

Die Entscheidung, mein Geschäft zu verkaufen hingegen ist endgültig. Ich kann meine ehemaligen Kollegen schlecht morgen anrufen und sagen: „Leute, ich habe meine Meinung geändert. Ich glaube, das ist eine tolle Praxis und ich möchte sie morgen wieder übernehmen!“ – Da würde ich gerne mal die Gesichter sehen!! 😉

Bei solchen Entscheidungen lautet mein Tipp ganz klar: Nimm dir Zeit! – Das ist keine Entscheidung, die du über Nacht fällst. Musst du auch nicht. Für diese Entscheidung habe ich ein halbes Jahr gebraucht. In dieser Zeit hatte ich einige heftige Panikattacken und zum Glück eine sehr geduldige Kollegin, die nach wie vor bereit war, sich meine Angebote anzuhören. Aber nach diesem Prozess war die Entscheidung dann schließlich klar und ich habe seitdem keinen einzigen Tag mehr daran gezweifelt. Nachdem der Gedanke ganz zu Verkaufen mir zunächst eine gehörige Angst bereitete, habe ich die Entscheidung dann erst einmal eine Weile losgelassen. Dann, allmählich, wurde alles klarer und weniger furchteinflößend.

3. Laß los!

Das heißt also, mein dritter Tipp heißt: Loslassen…! – Du kannst keine Entscheidung erzwingen! Die meisten Entscheidungen müssen wir nicht heute treffen. Oder besteht Lebensgefahr? Könnte jemand verletzt werden? Ist schnelles Handeln notwendig? Wirst du morgen ohne Geld und Dach über dem Kopf da stehen? – Die meisten Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen, sind nicht so bedrohlich. Natürlich sollst du deine Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben, aber tritt doch mal einen Schritt zurück und betrachte das Ganze mit etwas Abstand. Und dann lass mal eine Weile los und hör auf, darüber nachzudenken. Du wirst ganz von selbst wieder anfangen, dich damit zu beschäftigen, wenn du entspannt bist und einen Moment abgeschaltet hast. Und manchmal erscheint die Lösung dann viel einfacher.

Dadurch gewinnst du auch etwas Zeit, um dich mit deinen Ängsten zu beschäftigen. Die Ängste, die möglicherweise etwas betreffen, das in der Zukunft passieren könnte. Du hast nun Zeit und Abstand, sie mal in Ruhe zu betrachten. Kannst du irgendetwas tun, damit die Ängste kleiner werden? Vor was genau hast du Angst und wie wahrscheinlich ist es, dass das passiert?

Lehn dich einmal zurück und atme tief durch…. Ist die Angst immer noch da? Oder lässt sie allmählich nach?

Wenn du kurz davor bist etwas zu tun, brauchst du manchmal jemanden, der dich an die Hand nimmt. Gibt es jemanden, der dich begleiten könnte? Gibt es jemanden, der bei deinem Schritt ins Ungewisse an deiner Seite steht? Menschen, die dich unterstützen und ermutigen können? Dann bitte diese Personen jetzt um Unterstützung!!

4. Entscheide dich auch dafür nicht zu bedauern!

Wenn wir uns also entscheiden wollen, entstehen die Schwierigkeiten dabei häufig durch die Ängste, die damit verbunden sind. Wird meine Entscheidung richtig sein? Oder wird es mir später leid tun? Was wird passieren, wenn ich A, B oder C wähle?

Wenn du schließlich eine Entscheidung triffst, dann entscheide dich auch dafür, diese nicht zu bedauern. Übernimm die Verantwortung für deine Entscheidung! Sei dir darüber im Klaren, dass du die Entscheidung eines Tages bedauern könntest. Die Möglichkeit besteht! Und dennoch: zum jetzigen Zeitpunkt erscheint dir dieses der richtige Weg! Nicht immer wirst du mit deinen Entscheidungen zufrieden sein. – Natürlich wäre das schön. – Aber manchmal musst du auch erst eine Richtung einschlagen um zu erkennen, dass eine andere besser wäre. Übernimm Verantwortung für deine Wahl und sei gleichzeitig ein wenig milde mit dir selbst. Möglicherweise wünschst du dir, du hättest anders entschieden. Und das ist in Ordnung. Nimm diesen Impuls und wende dich in eine neue Richtung!

5. Entscheide dich für das Ungewisse

Eine Herausforderung dabei, wenn du dich beruflich neu orientieren willst ist somit, dass du dich vermutlich entscheiden musst ohne genau zu wissen, was letztendlich dabei herauskommen wird.
Wer wirst du sein? Wie wird dein Leben sein? Wirst du mit dem, was du vorhast auch Geld verdienen? – In unserer Kultur ist es nicht sehr gut angesehen, nicht genau zu wissen, wohin der Weg führt. Trotzdem glaube ich, dass genau das oftmals notwendig ist, wenn du die Entscheidung triffst, beruflich etwas Neues zu erschaffen: eine Wahl zu treffen, obwohl nicht ganz klar ist, was am Ende daraus entstehen wird. Du entscheidest dich dafür, dich für das Ungewisse zu entscheiden. Und genau darum geht es!! Denn dann tun sich auf einmal unzählige Möglichkeiten auf, eine davon könnte ein Scheitern sein! – Aber was ist, wenn du genau das erreichst, was du willst??! Wie wunderbar wäre das!! 🙂

Vergiss nicht: dein Ziel solltest du immer klar vor Augen haben!

Wenn du die Entscheidung triffst, beruflich neue Wege einzuschlagen, wird das ohnehin spannend und aufregend. Ein bisschen Angst gehört auch dazu. Und das ist auch gut so. Denn die Angst wird dich davor bewahren, dich blind in irgendwelche Abgründe zu stürzen. Sie sollte dir daher ein willkommener Begleiter sein!
Und wenn sie anfängt, dich völlig zu blockieren, dann entspann dich erstmal…. Du kannst sowieso nicht gut entscheiden, wenn deine Handlungen und Gedanken von deiner Angst bestimmt sind. Entspann dich, geh Tanzen, Spazieren, mach Sport oder was auch immer dich ablenkt und dir Spaß macht und dich auf andere Gedanken bringt.

Und was bedeutet das nun alles für unsere Art Entscheidungen zu treffen?

Ganz ohne Frage, es hat manchmal ziemlich weitreichende Folgen, wenn du eine bestimmte Entscheidung triffst. Und das ist nicht immer eine angenehme Situation. Was schlägst du vor, um diesen Prozess zu erleichtern? Was hilft dir, Entscheidungen zu fällen? Wie gelingt es dir klar zu sein und wie gehst du damit um, wenn du das Gefühl hast, die falsche Wahl getroffen zu haben?

Vielen Dank für eure Anregungen unter diesem Artikel!

Eure Kiwi

5 Comments

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  • Reply

    Karin

    Ach Kiwi, hast Du den Artikel nur für mich geschrieben?
    Es ist ja im Grunde alles nicht neu, wir müssen uns nur immer wieder dessen bewusst werden, und es immer und immer wieder verinnerlichen!
    LG Karin

    • Reply

      Katrin Pfingsten

      Liebe Karin,

      ja, bei dem Artikel hab ich genau an dich gedacht!! 😉 Das mit dem Bewusstsein ist halt immer wieder so ne Sache; ich glaube da macht uns unser Kopf uns oft einen Strich durch die Rechnung. Der diskutiert ja so gerne laut mit uns bei unseren Entscheidungen!!

      Liebe Grüße,

      Kiwi

  • Reply

    Daniela

    Hallo Kiwi

    Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Blogstart. Und was die Entscheidungen betrifft, kann ich nur sagen, dass eine falsche Entscheidung immer noch besser ist als gar keine Entscheidung und damit verbunden das Verharren in einer Situation, in der man unglücklich ist. Wie du ja auch schreibst, sind die meisten der Auswirkungen unserer Entscheidungen meist gar nicht so dramatisch, aber dagegen steht halt unser Sicherheitsdenken.

    Ganz liebe Grüße,
    Daniela

    • Reply

      Katrin Pfingsten

      Hallo Daniela,
      vielen lieben Dank für deine Glückwünsche! Heute Abend wird gefeiert!! 😉
      Ich bin ganz deiner Meinung: manchmal ist es auch einfach gut, den ersten Schritt zu gehen, auch, um deutlich zu machen, dass man etwas ändern will. Korrigieren kann man die Richtung ja dann immer noch. Aber das Verharren erscheint mir auch ein schwer erträglicher Zustand zu sein.

      Herzliche Grüße auch an dich!

      Kiwi

  • Reply

    Felicitas

    es ist schön nochmal so zusammenfassend zu lesen, wie und was du so in dir im Kopf, Bauch und Herz über die Zeit gewälzt hast. Du bist damit eine Inspiration Kiwi. Auch von mir Glückwunsch zum Start deines Blogs.

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